Darmgesundheit, Prävention

iFOBT - eine etablierte labordiagnostische Methode zur Darmkrebsfrüherkennung

Darmkrebs ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Früh erkannt gibt es aber gute Heilungschancen. Der iFOBT Test ist dabei besonders wichtig, weil er früher und präziser auf eine Erkrankung hinweist.

Hintergrund zu Darmkrebserkrankungen in Deutschland

Mit jährlich circa 60.000 Neuerkrankungen und einer relativen 5-Jahres-Überlebensrate von 63% ist Darmkrebs eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Da die Behandlung eines kolorektalen Karzinoms im frühen Stadium eine sehr gute Prognose aufweist, ist die Früherkennung besonders wichtig.

Hämoglobin im Stuhl - der iFOBT kurz erklärt

Immunologische Stuhltests (iFOBT) weisen im Gegensatz zum Guajak-basierten Testverfahren (gFOBT) spezifisch humanes Hämoglobin nach. Der immunologische Test beruht auf einem Antikörper-basierten Test gegen humanes Hämoglobin und nicht, wie beim Guajak-Test, auf der Pseudo-Peroxidaseaktivität des Hämoglobins. Der iFOBT hat gegenüber dem alten Guajak-Test eine deutlich höhere Sensitivität und Spezifität. So können beispielsweise auch schon Vorstufen eines Kolontumors (Adenome) besser erkannt werden. Ein Test auf okkultes Blut im Stuhl sollte bei Personen ohne erhöhtes Darmkrebsrisiko wie folgt untersucht werden:

  • Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren - jährlich
  • Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren - jährlich, wenn sie sich gegen eine Darmspiegelung (Koloskopie) entschieden haben
  • Frauen und Männer ab einem Alter von 55 Jahren - alle zwei Jahre, wenn sie sich gegen eine Darmspiegelung (Koloskopie) entschieden haben

Hämoglobin im Stuhl - wissenschaftliche Daten zum iFOBT

Die mit dem Testprinzip des iFOBT erzielte Sensitivitätssteigerung des immunologischen Stuhltests wurde in einer vergleichenden Studie mit 2.200 Teilnehmenden am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zusammen mit dem MVZ Labor Dr. Limbach in Heidelberg im Rahmen einer wissenschaftlichen Kooperation eindrucksvoll belegt. Die Verwendung des immunologischen Tests zur Erkennung von Darmtumoren erreichte eine Sensitivität von bis zu 73,3%. Dies entspricht mehr als dem Doppelten des Guajak-basierten Tests (33,3%). Weiterhin detektiert der immunologische Test fortgeschrittene Adenome mit einer Sensitivität von bis zu 25,7%, der Guajak-basierte Test nur mit 8,6%. Gestützt werden diese Daten durch acht verschiedene Publikationen mit jeweils 300 bis 22.000 Teilnehmenden im durchschnittlichen Alter von 48 bis 64 Jahren, bei denen der immunologische Test durchgehend eine vergleichbar hohe diagnostische Sensitivität weitgehend unabhängig von den verschiedenen Testanbietern erreicht. Die Studienprotokolle nutzten in allen Fällen eine Koloskopie als Referenzstandard. Neben der erhöhten Sensitivität des immunologischen Nachweises entfallen darüber hinaus die beim Guajak-Test obligaten diätetischen Hinweise wie die Vermeidung des Verzehrs von rohen Fleischprodukten, Nahrungsmitteln mit pflanzlichen Peroxidasen, Vitamin C und Aspirin.   
 

Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse    

Grundsätzlich ist die jährliche Untersuchung auf Hämoglobin im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr für Kassenpatient*innen erstattungsfähig. Ab dem 55. Lebensjahr wird die Untersuchung alle zwei Jahre als Alternative zur Koloskopie erstattet. Durch den iFOBT steht Kassenpatient*innen eine qualitativ stark verbesserte Methodik zur Verfügung. 

Fazit

Ein negatives Testergebnis auf okkultes Blut im Stuhl schließt einen Kolontumor oder ein Adenom nicht sicher aus. Beispielsweise werden Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt häufig nicht erkannt, da das Hämoglobin während der langen Passage durch Bakterien der Darmflora abgebaut wird. Auch im Dickdarm besteht die Möglichkeit des Abbaus durch die Darmflora. Umgekehrt bedeutet ein positiver Blutnachweis nicht zwangsläufig, dass eine bösartige Erkrankung vorliegt. Eine Blutung im Gastrointestinaltrakt kann beispielsweise durch Hämorrhoiden, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Divertikel, Ulcera und Magenschleimhautläsionen verursacht werden. Bei einem positiven Nachweis von okkultem Blut im Stuhl ist in allen Fällen eine Koloskopie zur weiteren Abklärung indiziert.

    

Referenzen:

  1. Brenner H, Tao S, Superior diagnostic performance of faecal immunochemical tests for haemoglobin in a head-to-head comparison with guaiac based faecal occult blood test among 2235 participants of screening colonoscopy. European Journal of Cancer 2013; 49, 3049–3054.

  2. Lin J S, Piper M A, Leslie A et al.: Screening for Colorectal Cancer: Updated Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA 2016; 315 (23): 2576–2594. 

  3. Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Version 1.1 – August 2014, AWMF-Registernummer: 021/007OL.

  4. Zentrum für Krebsregisterkarten am Robert Koch-Institut https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html

 

 

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Dr. med. Thilo Schill
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